Baden-Baden

Im Rahmen des Kunst- und Performance-Projekts „Kunst am Wegesrand“ werden internationale Künstler*innen vom 7. April bis zum Sommer 2022 wesentliche und prägende Orte im öffentlichen Raum in Baden-Baden bespielen und Performances, die Bezug zur Welterbestadt nehmen, aufführen.

Die Performances

Donnerstag
07.04.2022
10:00 Uhr

Gewicht eines Atemzugs
Die Taube galt quer durch die Kulturen als Sinnbild des Friedens und der Unschuld. Der Weltfrieden muss in diesen Tagen „Federn lassen“. Simon Pfeffel bewegt das kleine symbolträchtige Objekt einer Taubenfeder, ausschließlich mit seinem Atem über den Fußboden der Trinkhalle in Baden-Baden. Dieser herrschaftliche Ort der Kurstadt erquickte seit jeher Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, die sich dort Heilung versprachen. Das unschuldige Weiß der Feder wird am Boden zunehmend in den Schmutz gezogen. In krisenreichen Zeiten, in denen ein Präsident, der die Backen aufbläst, eine ernst zu nehmende Gefahr für den Weltfrieden darstellt, wird der Wert des symbolisch vertretenen Friedens hinterfragt.

Text: Holle Nann, Kamera: Anette C. Halm

Simon Pfeffel

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Dann flöge ich zu Dir
Auch bei der Performance von Sissi-Madelaine Schöllhuber spielen Tauben als Symbol des Friedens und der Versöhnung eine zentrale Rolle.

 Zu Beginn der Performance steigen zwei Tauben aus ihrem Käfig in den Himmel auf. Bis zur buchstäblichen Erschöpfung besingt die Künstlerin anschließend die Hoffnung auf Frieden und den Wunsch nach einer von Hass, Neid und Missgunst befreiten Gesellschaft an zentraler Stelle in Baden-Baden:
„Sie ziehen über uns hinweg, hoch über uns hinauf. Sehnlichst warten wir darauf, uns den Frieden heimzubringen, zu uns vorzudringen, unsere Herzen aufzuwärmen, die Missgunst zu entfernen, dass wir einander zu schätzen lernen…“.

Text: Holle Nann

Sissi-Madelaine Schöllhuber

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Liebesfrühling
Himmel und Hölle auf Erden – wie eng liegen diese Gegensätze beieinander.

Im gleichnamigen Kinderspiel überspringt man die Hölle, um fröhlich dem Himmel entgegen zu hüpfen. Das Spiel ist eine Metapher für das Leben von Clara Schumann, die gegen den Willen ihres Vaters 21-jährig dessen Schüler, Robert Schumann heiratete. Die Ehe mit dem Komponisten bedeutete für die Pianistin zunächst den Himmel auf Erden, in dem den beiden jedoch keine lange Verweildauer vergönnt war. Der Alltag mit dem erkrankenden Robert Schumann und sieben Kindern holte sie jäh ein. Nach dem Tod von Robert ließ sich Clara in Baden-Baden nieder, das schon damals als kulturelles Zentrum galt.

Die Performance ist eine Hommage an eine begnadete Künstlerin.

Text: Holle Nann

Anette C. Halm

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Salzsäule
Die menschliche Haut ist als natürliche Schutzhülle des Körpers maßgeblich für unser Wohlgefühl verantwortlich.  Zugleich ist sie wichtiger Bestandteil und Projektionsfläche unseres Selbstverständnisses, indem sie etwa Schmuck und Schminke aufnimmt.  Doch was wäre, wenn diese Schutzhülle plötzlich erstarrte, uns einengen und handlungsunfähig machte?
Die Gorgonen sind in der griechischen Mythhologie drei geflügelte Schreckgestalten, die jeden, der sie anblickt zu Stein erstarren lassen. Auch Lots Frau erstarrte im Ungehorsam zur Salzsäule. Die Performance von Andrea Isa auf dem Römerplatz der Stadt Baden-Baden, lotet die Ambivalenz von Schutz, Abgrenzung und Einengung des menschlichen Körpers in sprachlosem, bewegungsunfähigem Entsetzen aus.

Text: Holle Nann

 

Andrea Isa

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BISS
Biss zu einem Neuanfang. „Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können.“
Seit jeher wird der Mythos verherrlicht, der sich rund um den Apfel rankt: Als christliches Symbol der verbotenen Frucht der Erkenntnis, als Verheißung ewiger Jugend und Unsterblichkeit, als Sinnbild für Liebe, aber auch Macht in Form eines Reichsapfels, als Nahrung der Götter und als Schneewittchen-Schnitz. Selbst apple fand im angebissenen Apfel ein Firmenlogo mit Wiedererkennungseffekt, dem die Kunden nicht widerstehen können. Der Apfel wurde immer wieder instrumentalisiert und doch geht ein Zauber und eine Magie von ihm aus, stets Neues generieren.

Text: Holle Nann

Ezgi Böttger

Tag
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Uhrzeit

HUMAN WHEEL
Fünf Menschen bilden ein Rad. Das fünfte Rad möchte keiner sein, beim Rad der Künstlerin Marie Lienhard ist die Fünf unerlässlich. Auch wenn es das Rad an sich seit rund 3500 Jahren gibt, kann man es offensichtlich immer wieder neu erfinden. Fünf Menschen bilden mit ihren Körpern Hand in Hand die Speichen und bewegen sich um eine virtuelle Nabe, deren Zentrum sich unter den Fußsohlen befindet. So dreht sich das Rad wie ein Perpetuum mobile, aber es kommt nicht vom Fleck – eine moderne Sisyphos-Aufgabe, wo doch heutzutage alles laufen sollte wie am Schnürchen.

Text: Holle Nann

 

Marie Lienhard

Das Projekt wurde gefördert durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

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