Ostfildern

Internationale Künstler*innen werden vom 4. Juli bis zum 16. August 2021 wesentliche und prägende Orte im öffentlichen Raum in Ostfildern aufspüren und bespielen. Kuratiert wird dieses Projekt durch die Konzept- und Videokünstlerin Anette C. Halm, die die derzeitige Stipendiatin der Stadt Nürtingen ist. Die von Halm ausgewählten Künstler*innen werden an individuellen Orten im Stadtraum künstlerische Installationen und Performances zeigen, deren Konzepte sich auf besondere, mit Ostfildern verknüpfte Orte, Begebenheiten und Historien, beziehen.

Zu den gewählten Themenschwerpunkten, die während eines Spaziergangs durch den öffentlichen Raum zu erleben sein werden, gehören unter anderen eine Körper-Raum-Vermessung, die Suche nach einem verlorenen Ort, Passanten werden sprichwörtlich in den Schatten gestellt, ein musikalischer Liebes-Apell und mehr. Die Künstlerin und Organisatorin Anette C. Halm möchte – in Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern, den Bürger*innen und Besucher*innen der Stadt mit diesem Projekt einen langfristigen und nachhaltigen, erfrischenden und herausfordernden Blick auf ihren Lebensraum bieten.

Jede künstlerische Aufführung wird ein einmaliger Moment werden, doch werden die performativen Handlungen in einer digitalen App erfasst und für zukünftige Spaziergänge durch den öffentlichen Raum aufgearbeitet. Möglich wird dies mit der „Kunst am Wegesrand“-App. Interessierte werden zu einem Spaziergang durch die Stadt eingeladen und dort auf Plaketten (kleine Schilder) stoßen, die Informationen zu den vergangenen Aktionen bereithalten. Dort wird es dann eine Weiterleitung in Form von Kreativcodes geben, die alle Performances per Smartphone in Form von Fotografie und Video wiederholt erlebbar machen.  Anette C. Halm will dadurch Orte und Momente des Innehaltens schaffen, die einen neuen Blick sowohl auf die äußere Umgebung Ostfilderns, als auch auf ein inneres Erleben jedes einzelnen Spaziergängers wirft.

Die Standorte der Performances finden Sie in der App „Kunst am Wegesrand“

Die Performances

Sonntag
04.07.2021
12:00 Uhr

Ora et labiera
Wohl bekannt ist, dass die Benediktiner 3,5 Liter Starkbier pro Tag tranken, auch während der Fastenzeit. Kein Wunder kam da dem einen oder anderen eine Erscheinung. Andrea Isa wird sich in dem Labyrinth in Nellingen auf Spurensuche begeben und der alten Mönchsregel „ora et labora“ nachspüren. Das Labyrinth führt nicht in die Irre, sondern dient im Gegenteil als Ganzheitsstiftendes Sinnbild der Selbstfindung. Im Labyrinth verliert man sich nicht, im Labyrinth begegnet man sich selbst.

It is known that the Benedictines drank 3.5 liters of strong beer per day, even during Lent. Not surprisingly, some of them experienced apparitions. Andrea Isa goes in search of clues in the labyrinth in Nellingen and traces the ancient monastic rule “ora et labora.” The labyrinth does not lead one astray but rather serves as a holistic symbol of self-discovery. In the labyrinth you don’t get lost; in the labyrinth you encounter yourself.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Kamera: Anette C. Halm

Andrea Isa

Samstag
17.07.2021
10:00 Uhr

Denn vergesst nicht, ihr liebt sie
Der Scharnhauser Park ist der jüngste der sechs Retortenstadtteile Ostfilderns. Das Stadthaus, konzipiert als Bürgerhaus, als offener Ort der Begegnung, ist ein identitätsstiftender Ort. Daher hat Sissi-Madelaine Schöllhuber den Platz vor dem Stadthaus für ihre Gesangs-Performance ausgewählt. Sie möchte Menschen durch Gesang zusammenbringen, um deren Kommunikation und Miteinander zu befördern.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Kamera: Anette C. Halm

Sissi-Madelaine Schöllhuber

Mittwoch
21.07.2021
14:00 Uhr

Sattelzeit
Jahrtausende lang galt das Reiten als Symbol der Herrschaft und als Demonstration von Überlegenheit und Macht.  Reiter überragen das Fußvolk, sind wendig und schnell. Berittene Frauen machten sich im Sattel auf den Weg Richtung Emanzipation.

Die Performance „Sattelzeit“ von Nadine Bracht möchte dazu einladen, diese Kulturpraktik zu hinterfragen – historisch und in Bezugnahme zur aktuellen gesellschaftlichen Situation.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Sprecher: Werner Rieger, Kamera: Andreas Bulling

Nadine Bracht

Mittwoch
21.07.2021
15:00 Uhr

Unverhohlen
Ein Hohlweg ist visualisierte Zeit – ein Weg, der sich durch jahrhundertelange Nutzung durch Fuhrwerke und Vieh sowie abfließendem Regenwasser tief in das umgebende Gelände eingeschnitten hat.

Den Besucherinnen und Besuchern der Performance wird über die gesamte Länge des Hohlwegs in Ostfildern ein roter Teppich ausgerollt. Üblicherweise ist der Kunstgenießer gehalten, nichts zu berühren, andächtig zu schweigen und passiv zu rezipieren. Auf dem roten Teppich des Hohlwegs werden sie dagegen als Mit-Läufern zu willkommenen Akteuren.
 

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Piano: Götz Payer, Kamera: Anette C. Halm

Jaewon Park

Mittwoch
21.07.2021
14:45 Uhr

Schattenspiel
Der wohltuende Schatten einer Allee gibt den Impuls und Auftakt für eine musikalisch-poetische Performance. Die Sängerin und Performerin Babette Dieterich beginnt, an eine Kastanie gelehnt, mit einer den Schatten rühmenden Arie, der sich eine Schattensuche in Form von (W)Ort- und Gedankenspielen anschließt. Das Publikum wird zur Teilhabe eingeladen, etwa über seinen „Schatten zu springen“.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Kamera: Anette C. Halm

Babette Dieterich

Mittwoch
21.07.2021
15:15 Uhr

Amor ist Sieger mit Badehose
Die Malerin Angela Vanini kopiert das Gemälde „Amor als Sieger“ des Barockmalers Caravaggio in Öl auf Leinwand vor dem Amortempel in Ostfildern, dem ehemaligen Liebesnest des württembergischen Herzogs Carl Eugen.

Mit Beginn der „METOO – Bewegung“ gab es eine große Debatte um das Gemälde. Es gab gar Bestrebungen, dieses aus der öffentlichkeitswirksamen Position zu entfernen. Aufgrund der „Künstlerischen Freiheit“ wurde dies jedoch als absurd zurückgewiesen.

Eine Diskussion, die im Kontext der Themenkreise Pädophilie, Kinderpornographie, Missbrauch und sexuelle Gewalt aktueller ist denn je.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Piano: Götz Payer, Kamera: Samuel Hohaus

Angela Vanini               & Juri Donn

Mittwoch
21.07.2021
16:00 Uhr

Chim Chim Cher-ee
Dass es auf der Schwäbischen Alb unzählige Vulkane und mit Tuff gefüllte Schlote gibt,ist bekannt. Der „Scharnhauser Vulkan“, gilt als der nördlichste schwäbische Vulkan. Dies ist das einzig Spektakuläre, denn viel ist nicht mehr von ihm übrig. Unheimlich, fast höllenhaft war seit jeher die Vorstellung, was darin passiert und Mythen ranken sich um den Schlot: Bei Ausbruch soll sich der Zorn der Götter entladen. Anette C. Halm ändert die Vorzeichen und lässt Glück durch den Schlot aufsteigen. Der Schornsteinfeger, das Glückssymbol schlechthin, wird bei dieser Performance die Hauptrolle spielen.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Kaminfeger: Björn Böttger, Kamera: Andreas Bulling

Anette C. Halm

Mittwoch
21.07.2021
17:00 Uhr

Wörnitzhausen reloaded
Um verschwundene Orte ranken sich seit jeher Mythen: Wo sind sie geblieben, warum sind sie ausradiert? Neugier lässt Britta M. Ischka dieser Frage nachgehen, indem sie die vermutete Stelle in einem ersten Schritt bzw. in einem ersten Schnitt freilegt, um so dem Rätsel ein Stück näher zu kommen, der gleichzeitig der Fantasie Raum lässt.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Performer: Schnitter der Stadt Ostfildern, Piano: Götz Payer, Kamera: Andreas Bulling

Britta M. Ischka

Montag
16.08.2021
11:00 Uhr

Boden verlieren
Die Landschaftstreppe im Retortenstadtteil Ostfildern: eine ganz große architektonische Geste. Vergleichbar mit den Basislinien bzw. Sichtachsen zwischen herrschaftlichen Schlössern, durchzieht diese als grüne Schneise und gestalterisches Element die Häuserfluchten des Scharnhauser Parks, der auf ehemaligem Kasernengelände errichtet wurde.

Wie lebt es sich an einem Ort, der historisch geprägt ist und sich gleichzeitig in einem Spannungsfeld von Weltläufigkeit und Ortsansässigkeit befindet? Ist der Mensch dort Maß der Dinge?

Simon Pfeffel vermisst die Landschaftstreppe mithilfe seines eigenen Körpers. Gleichzeitig lädt er Passanten ein, es ihm gleich zu tun. Damit setzt er den menschlichen Körper stufenweise in ein Verhältnis zur abstrakten Distanz der Treppe.

In Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Kamera: Samuel Hohaus & Anette C. Halm

Simon Pfeffel

Das Projekt entstand in Kooperation mit der Städtischen Galerie Ostfildern.

Ein Kommentar

  1. Ich war schon gemeinsam mit Andrea Isa unterwegs im U-Bahn Tunnelbau von Düsseldorf und am Rhein! und habe auch ihre soziale Einstellung zu ihren Kolleginnen mit sozialer Aufwertung in kreativer Art und Weise an der Uni Düsseldorf in der Speisenversorgung dort in ihrer Ausstellung erlebt und bin gespannt was Andrea im Labyrinth in Nellingen für sich herausfindet und drücke auch den anderen Kreativen am Wegesrand die Daumen! Es sieht schon spannend aus ! Leider muss ich bei meiner Doro hier bei Jüchen in Neuenhoven bei Corona zu Hause bleiben! Bin nur ein bescheidener Autodidakt und bin im Februar 80 Jahre alt geworden und wollte dazu eine
    Retrospektive meiner Arbeiten aus meinem Leben mit meinen Sichten zur Doppelmoral in der Menschheit und zur Natur mein privates Spiegelbild zeigen! Mein Hauptwohnsitz ist eigentlich in Stolpe auf der Insel Usedom! Bei Facebook setze ich mich auch mit der gegenwärtigen Krisenwelt auseinander ! Bleibt gesund ! Harald Nadler habe nur eine alte Webseite mit erster Fotografie http://www.fohana.de habe aber davor schon gemalt! Ausstellungsbeteiligungen seit den 70igern und Personalausstellungen mit Malerei auf Usedom und ab 1995 auch Fotografie ! In Düsseldorf hatte ich auch im Finanzministerium von NRW 2010 eine Fotografieausstellung „Vom Meer zum Rhein“ ! War im Job in der Hochseefischerei bis Nautiker mit Kapitänsabschluss und dann an Land Erzieher für Jugendheime und zum Schluss auch als Sozialpädagoge für Gefährdete und Drogenkranke ! Habe nur an der Kulturakademie in Rostock ein paar Jahre eine Spezialschule für Malerei und Grafik absolviert und habe keinen Kunsthochschulabschluss! Bin in München geboren worden und dann mit meiner Mutter in ihre alte Heimat ins Vogtland 1958 mitgegangen in den Osten, damals DDR, habe also West und Ost mit unterschiedlichen Systemen kennengelernt mit Vor-und Nachteilen aber nur erlebe ich schon lange leider Doppelmoral und nicht nur Missbrauch von Kindern sondern ganzer Völker und so werden wir nicht überleben und auch nicht unsere Kinder! Aber Eure kreativen Sichten und Experimente finde ich gut! Geschichte ist wichtig aber wir haben gegenüber unseren Nachkommen auch eine Verpflichtung und sind schon sehr spät dran mit dem Naturwandel in der Anpassung und ich auch für meine Tochter und Enkelin in Norwegen! Tochter hatte in Greifswald Skandinavistik studiert und ich fand auch Norwegen schön als Hochseefischer aber heute nicht mehr so mit dem NATO-Mann, der nichts gelernt hat von der Breivikkatastrophe und der Fischzucht mit Viren mit Flusstötung des Lerdal wo wir auch die Stabkirche Borgund besucht haben mit Tochter und Familie! Aber Tochter als Lehrerin an einer integrativen Grundschule mit Flüchtlingskindern auch aus Afghanistan hat eine Wanderausstellung mit ihren Kindern aus Plastikmüll aus dem Meer gestaltet und ist ein kreatives Mädchen, wollte aber nicht Kunst studieren, was ich verstanden habe, denn die Gesellschaft stellt mehr Gefährdung her als sie beheben kann und da mussten wir etwas tun! Liebe Grüße Harald Nadler

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